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So überwindest du Hindernisse in deinem Leben

Beziehungssysteme sind in vielen Fällen die Ursache verschiedenster Probleme - Familienstellen verbessert das Miteinander
Beziehungssysteme sind in vielen Fällen die Ursache verschiedenster Probleme - Familienstellen verbessert das Miteinander
© franz12 via fotolia

Manchmal stehen wir uns in unserem Leben selbst im Weg und bauen uns selbst unüberwindbare Hindernisse – in unserem Job, in unseren Beziehungen, in unseren Gefühlen. Manchmal sind wir aber nicht allein die Ursache für die daraus entstehenden Probleme, nur erkennen wir das zu häufig nicht. Familienaufstellungen helfen dabei, Muster und Projektionen zu entdecken, die unverarbeitet, unberücksichtigt sind und genau deswegen einen negativen Einfluss auf uns haben. Willst du einen Neuanfang in deinem Leben wagen, dann kann dir das Familienstellen möglicherweise eine wichtige Hilfe sein.

Was ist Familienstellen überhaupt?

In der Form, in der das Familienstellen seit inzwischen einigen Jahren schon praktiziert wird, geht es auf Bert Hellinger zurück. Das Verfahren hat allerdings verschiedene Strömungen, von denen Hellinger die wahrscheinlich populärste (aber auch umstrittenste) vertritt. Er wiederum hat bei seiner Methode auf verschiedene andere Ansätze zurückgegriffen, aus denen dann die Familienaufstellung hervorgegangen ist, die auch als therapeutisches Mittel zum Einsatz kommen kann.

Den Ursachen auf den Grund gehen

Der Grundgedanke ist folgender: Beziehungssysteme sind in vielen Fällen die Ursache verschiedenster Probleme – weil die Kommunikation und die Interaktionen leicht sehr komplexe Ausmaße annehmen. Besonders heikel ist daran, dass innerhalb dieser (familiären) Beziehungssysteme bestimmte Muster zwischen den Generationen wiederholt werden können, was einerseits zu ihrer Verfestigung führt und sie andererseits über mehrere Generationen hinweg reproduziert.
Die grundlegende Frage einer Familienstellung lautet daher, wo du dich innerhalb dieses Beziehungsgeflechts siehst. Das Bild des „Geflechts“ oder des „Netzes“ hat tatsächlich eine besondere Bedeutung für das Familienstellen, denn im Beziehungsnetz werden immer neue Verbindungen zwischen den beteiligten Menschen geschaffen, während gleichzeitig alte „Fäden“ bestehen bleiben. Genau diese Fäden sind es allerdings, die sich für die neuen Beziehungen als störend erweisen können, die dich aus der Balance bringen und langfristig zum Problem werden.

An dieser Stelle setzt die Familienaufstellung an, sie greift das derzeit bestehende Beziehungsnetz auf und versucht darin die Ursache von Konflikten zu finden, indem sie die unbewussten Strukturen sichtbar macht.

Familientherapie mit Skulpturenarbeit

Das Prinzip geht dabei zurück auf David Kantor, Fred und Bunny Duhl sowie Virginia Satir, die aus dieser Gruppe wahrscheinlich die bekannteste Begründerin ist – allerdings für die sogenannte Familienskulptur. Der Ansatz ist aber ähnlich, es geht darum, das Beziehungssystem auf symbolische Weise sichtbar zu machen. Sprache spielt dabei keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen kommt es bei der Skulpturenarbeit auf andere Faktoren an, auf deren Grundlage die Analyse gemacht wird:

o Raum: Der räumliche Abstand zwischen den Skulpturen versinnbildlicht die emotionale Nähe oder Distanz.
o Oben und unten: Mit Höhenunterschieden werden hierarchische Unterschiede angezeigt. Wer das Sagen hat, lässt sich dadurch veranschaulichen, dass das betreffende Element etwa auf einem Stuhl über den anderen platziert wird.
o Mimik und Gestik: Sie dienen vor allem dazu, die bereits aufgezeigten Strukturen weiter zu differenzieren – welche Elemente sind einander zugewandt, was verrät die Haltung über die Gefühlslage, wie stehen die Elemente zueinander? So lassen sich weitere Konflikte aufdecken, die dich vielleicht gar nicht unmittelbar, aber durch die Verbindungen innerhalb des Beziehungsnetzes doch wieder betreffen.

Diese Herangehensweise erlaubt außerdem verschiedene Abwandlungen, mit denen andere Ansätze verfolgt und andere Schwerpunkte gesetzt werden können. Zum Beispiel kann die Perspektive auf die Familienskulptur dadurch verändert werden, dass nicht du, sondern der Berater sie aufbaut, so wie er die Familienbeziehungen sieht. Symbole, um fehlende Personen doch noch darzustellen, sind ebenso denkbar wie Symbole für bestimmte Symptome, die eine Belastung für das Beziehungsnetz sind.

Die „Skulptur“ kann also nicht nur aus realen Familienmitgliedern bestehen, es können auch stellvertretende Darsteller oder eben gegenständliche Symbole eingesetzt werden. Der Begriff mag etwas irreführend wirken, immerhin wirst du Skulpturen als eher statische Gegenstände kennen, die du nicht unbedingt mit einem lebendigen Beziehungsgeflecht verbinden wirst. Allerdings geht es bei der Skulpturenarbeit genauso wie bei der Bildhauerei darum, etwas herauszuarbeiten, was für das Auge zunächst nicht sichtbar ist – es ist am Ende eine Veranschaulichung der Beziehungen.

Um die Dynamik dabei besser abbilden zu können, gibt es die Möglichkeit, die Familienskulptur in Bewegung zu bringen. Auf diese Weise lassen sich zum einen Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern darstellen, zum anderen kannst du so leichter die Interaktionsmuster erkennen, die sich immer wieder wiederholen und damit zum Problem werden.

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Von der Familienskulptur zum Familienstellen

Das Familienstellen, das maßgeblich von Bert Hellinger entwickelt wurde, ähnelt in seiner äußeren Form der Familienskulptur nach Virginia Satir, trotzdem bestehen Unterschiede zwischen diesen beiden Therapieansätzen. Der größte ist die grundsätzliche Arbeitsweise: Bei der Familienskulptur sollst du selbst zu den Ursachen deiner Probleme vordringen können, beim Familienstellen hingegen unterstützt dich der Therapeut aktiv bei der Suche nach Lösungen.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass sich eine Familienskulptur im Normalfall aus den tatsächlichen Familienmitgliedern zusammensetzt – es handelt sich also um eine Methode für die ganze Familie, auch wenn ein einzelnes Mitglied der Ausgangspunkt ist. Bei einer Familienaufstellung hingegen reichen Stellvertreter oder Repräsentanten aus. Es geht also sehr viel mehr um den „Klienten“, wie es bei Hellinger heißt, als um die Familie als Ganzes, auch wenn diese immer den Bezugsrahmen darstellt.

Überschneidungen gibt es wiederum bei Hellingers vier Grundprinzipien (nicht zu verwechseln mit den Grundprinzipien der systemischen Therapie, obwohl das Familienstellen in diesem Bereich einzuordnen ist):

o Das „gleiche Recht auf Zugehörigkeit“ etwa bedeutet, dass sowohl lebende als auch verstorbene Mitglieder zu der Aufstellung dazugehören. Die symbolische Darstellung fehlender Familienangehöriger kennen etwa auch die Abwandlungen von Satirs Familienskulptur.
Die Regelungen für die Rangfolgen im System bzw. zwischen den Systemen (Hellinger unterscheidet hierbei alte und neue Systeme, die bei Satir eher über die Interaktionsmöglichkeiten ausgearbeitet werden) sind allerdings wieder sehr verschieden:
o So haben Familienmitglieder, die zuerst zum System gehörten, grundsätzlich eine Vorrangstellung gegenüber denen, die erst später dazukamen. Um das zu verdeutlichen: Normalerweise haben Eltern gegenüber ihren Kindern den „Vorrang“, in dem Sinne, dass sie für ihren Nachwuchs verantwortlich sind. In manchen Situationen ist dieses Verhältnis jedoch umgekehrt und die Verkehrung des Prinzips kann bereits als ein Kernproblem innerhalb des Familiensystems ausgemacht werden.
o Beim Vergleich neuer und alter Systeme verhält es sich umgekehrt, hier hat das neue System Vorrang vor dem älteren.
o Die Rangfolge der Familien- oder Systemmitglieder orientiert sich außerdem an deren Funktion und Leistung innerhalb des Systems.

Die Prinzipien zur Rangfolge müssen allerdings in erster Linie in einem anderen Zusammenhang verstanden werden, sie finden nämlich auch bei Organisationsaufstellungen Anwendung. Hier spielen Hierarchien eine deutlich größere Rolle, wenn es beispielsweise um das Verhältnis zwischen Abteilungen in einem Unternehmen geht – ob dir dein Job Spaß macht, hängt eben oft auch davon ab, wie deine Kollegen miteinander umgehen. Der Übergang zur Familienaufstellung ist trotzdem ein fließender, weshalb die Prinzipien ebenfalls auf den verschiedenen Ebenen greifen können.

Anders als sonstige Ansätze solcher Systemaufstellungen wird bei Hellinger außerdem die Rolle des Leiters ausgelegt. Ist dieser etwa bei der Familienskulptur kaum mehr als ein Moderator, wird er bei der Familienaufstellung nach Hellinger gewissermaßen zum Wegweiser, der den Klienten richtiggehend anleitet. Hintergrund ist dabei auch eine sehr verschiedene Vorstellung davon, was mit der jeweiligen Methode erreicht werden soll.

Geht es anderen Vertretern dieser unterschiedlichen Aufstellungen darum, die Handlungsmöglichkeiten eines Klienten zu erweitern, weil es für sie die „eine“ Lösung nicht geben kann, strebt Hellinger genau so eine klare Lösung innerhalb eines Systems an. Das mag damit zusammenhängen, dass es bei der Familienaufstellung auch immer um eine konkrete Angelegenheit, um ein bestimmtes „Leiden“ geht.

Wo Familienaufstellungen helfen können

Ganz egal, was dich belastet, was dein Leben, wie du es gerne führen würdest, erschwert – alles kann beim Familienstellen thematisiert werden. Wenn du dich psychisch nicht ausgeglichen fühlst, wenn du Ängste leidest oder ständig von Wut erfüllt bist, wenn es zu Konflikten in deinen sozialen Beziehungen kommt oder dich ganz banale, alltägliche Probleme plagen: Dann kann eine Familienaufstellung dabei helfen, den Ursachen hierfür auf den Grund zu gehen und die Muster zu durchbrechen, die dir Schwierigkeiten bereiten.

Woman sits with her back in the field and admires the sunset in the mountains

© JenkoAtaman via fotolia

Der Vorteil der Familienaufstellung besteht nämlich eben darin, sowohl ein bestimmtes Problem als auch ein bestimmtes (ungenutztes) Potenzial in den Mittelpunkt zu stellen. Es muss also nicht gleich ein Trauma sein, dass du mit der Aufstellungsmethode überwinden möchtest, es ist ebenso möglich, sich etwa auf die Entscheidungsfindung in einer wichtigen Angelegenheit zu fokussieren oder Blockaden oder falsche Glaubenssätze zu überwinden, die dich am Entfalten deines vollen Potenzials hindern. Von einer beruflichen Situation, die dich bedrückt, bis zu einem individuellen Problem, kann in der Familienaufstellung alles thematisiert werden.

Die schwierige Eltern-Kind-Beziehung

Dass es zwischen Eltern und Kindern nicht immer ganz harmonisch verläuft, ist einerseits eine weithin akzeptierte Tatsache. Spätestens mit der einsetzenden Pubertät, so der allgemeine Tenor, entstehen oder vertiefen sich die Gräben zwischen den Generationen bis hin zu einem kompletten Bruch – ein harmonisches Miteinander ist dann lange Zeit oder im schlimmsten Fall gar nicht mehr möglich.

Shot of happy mother holding her baby girl on the beach.

© abelenav via fotolia

Die Ursachen müssen aber eben nicht zwangsläufig in einem mehr oder weniger gut abgeschlossenen Abnabelungsprozess liegen, der zudem ja ein ganz natürlicher ist. Vielfach fungieren Kinder, von den Eltern unbemerkt, als Katalysatoren für deren Konflikte, sie tragen diese sozusagen stellvertretend aus, schultern emotionale Belastungen, die eigentlich nur die Eltern betreffen oder sie erfahren einfach nicht die Liebe, Geborgenheit und Unterstützung, die es für die Entwicklung zu einem starken Erwachsenen braucht.

Mit der Familienaufstellung kann genau aufgezeigt werden, wo die Kinder innerhalb des Familiensystems stehen, was das für sie bedeutet und wie die Belastungen, die sich aus dieser Position ergeben, lösen lassen. Das funktioniert sogar generationenübergreifend, falls sich also Verhaltensmuster von der Großelterngeneration über die Eltern auf die Kinder übertragen.

Der Umgang mit dem lieben Geld

Manchmal lassen sich finanzielle Probleme mit einfachen Tricks lösen, manchmal liegen die Ursachen aber etwas tiefer. Das bedeutet in erster Linie, dass eine Familienaufstellung zum Thema Geld keine Maßnahme mit sofortiger Wirkung sein kann – wenn du also gerade in akuten Geldnöten steckst, wird sich daran durch die Aufstellung nicht umgehend etwas ändern. Allerdings wird sich wahrscheinlich deine Einstellung ändern, so dass du dir zukünftig weniger Sorgen um deine Finanzen machen musst. Das Geld wird dir nach einer Aufstellung nicht zufliegen und du wirst immer noch selbst dafür sorgen müssen, von deinen Schulden runter zu kommen. Aber du wirst wissen, was dich bei deinem bisherigen Umgang damit beeinflusst hat.
Die Ursachen können dabei sehr verschieden sein, sie können im Zusammenhang mit der Familiengeschichte stehen oder auf komplizierte Verbindungen, die auf dein Selbstwertgefühl einwirken und damit wiederum auch auf deinen Umgang mit Geld.

Die gewonnenen Erkenntnisse helfen dabei, Blockaden in deiner Beziehung zum Geld aufzulösen und bisherige Verhaltensmuster zu durchbrechen. So bringst du vielleicht endlich die Kraft auf, eine bessere Lösung für deine Schulden zu finden oder erst gar keine weiteren zu machen. Dann ist es vielleicht auch nicht mehr notwendig, an jedem Ende sparen zu müssen.

Die Suche nach dem Glück zu zweit

Eigentlich könntet ihr glücklich miteinander sein, doch irgendetwas hindert euch daran, eine erfüllte, starke Beziehung zu führen. Wenn so etwas der Fall ist, lohnt es sich, nach den Gründen dafür zu suchen – denn meistens liegen die Probleme eben nicht in vergessenen Jahrestagen, achtlos herumliegenden Socken oder den unterschiedlichen Vorstellungen bei der Gestaltung des Fernsehprogramms.

Happy couple resting at sea resort

© Mediteraneo via fotolia

Oft sind die Ursachen nämlich nicht in der aktuellen Beziehung zu finden, sondern in früheren, familiären Beziehungen. Ungelöste Konflikte, schwierige Verhältnisse zu Eltern, Geschwistern oder anderen Familienmitgliedern, unverarbeitete Verluste von geliebten Menschen und vieles mehr können dazu führen, dass eine Partnerschaft unbewusst durch sie belastet wird. Mit einer Familienaufstellung können diese Ursachen herausgearbeitet und eine Lösung gefunden werden. Damit der Weg frei ist für das gemeinsame Glück.

Das ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt von Ausgangssituationen, in denen das Familienstellen tieferliegende Gründe für ein bestimmtes Verhalten oder bestimmte Empfindungen aufdecken kann. Es kann darüber hinaus als Konfliktlöser dienen, etwa bei angespannten Verhältnissen am Arbeitsplatz. Es kann dabei helfen, die Auslöser für Stress, Schuldgefühle, Depressionen oder Panikattacken zu identifizieren. Die Familienaufstellung wird auch bei der Traumaverarbeitung eingesetzt oder bei der Entwicklung deiner Persönlichkeit, bei deiner Selbstverwirklichung.

Veränderungen führst du selbst herbei

Eine Familienaufstellung kann ihre Wirkung aber nur dann entfalten, wenn du bereit bist, die möglichen Veränderungen anzunehmen. Nur so kannst du eine Verbesserung erfahren, aber der Weg bis dorthin ist höchstwahrscheinlich kein leichter.

Die Vorbereitung auf eine Familienaufstellung

Deswegen ist es sinnvoll, sich im Vorfeld mit dieser Therapieform und den möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Völlig unvorbereitet solltest du in jedem Fall nicht in eine Familienaufstellung gehen, eine gewisse Offenheit gegenüber der Methode ist eine Grundvoraussetzung, um die gewünschten Veränderungen zu erfahren.

Ein zweiter wichtiger Schritt ist das Sammeln von Informationen zu deiner Familie. Das klingt womöglich übertrieben, schließlich kennst du deine Familie in- und auswendig. Aber gemeint ist damit eine bewusste Auseinandersetzung mit der Familie und ihrer Geschichte, die du zum Beispiel mit Hilfe eines Genogramms visualisieren kannst. Das ist aus mehreren Gründen wichtig:

o Es ist der Anfang deines persönlichen Erkenntnisprozesses. In dem du dich bewusst an wichtige Ereignisse – die besonders schönen ebenso wie die unschönen – erinnerst, die mit deinen Großeltern, Eltern, Geschwistern und der übrigen Familie zusammenhängen, erhältst du nämlich erste Einsichten, die du vorher gar nicht so wahrgenommen hast.
o Selbst, wenn du damit noch nicht zum vollen Verständnis gelangst, was das alles mit dir und deinem konkreten Anliegen zu tun hat, so hilft es auf jeden Fall bei der folgenden Aufstellungsarbeit. Es wird dir leichter fallen, alle Elemente innerhalb das familiären Geflechts zueinander in Beziehung zu setzen und die richtigen Schlüsse für dich daraus zu ziehen.

Eine so intensive Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte ist nicht immer angenehm, sie kann Dinge zutage bringen, die aus gutem Grund innerhalb der Familie nicht thematisiert werden. Das lässt dich vielleicht zurückschrecken, aber du kannst solche Muster eben nur überwinden, wenn du dich selbst überwindest und dich ihnen stellst. Wichtig ist, dass du mögliche Ängste und Sorgen, die in dieser Hinsicht aufkommen können, im Vorfeld klar formulierst, damit bei der Aufstellung darauf Rücksicht genommen werden kann.

Der Ablauf des Familienstellens

Bei der klassischen Aufstellungsarbeit wirst du drei Schritte durchlaufen:

o Zuerst gibt es ein Interview, bei der du zu deinem Anliegen und zu ungewöhnlichen Ereignissen oder Verhältnissen in deiner Familie befragt wirst.
o Danach folgt die Offenlegung, bei der mit Hilfe der anwesenden Stellvertreter und/oder Symbolen ein erstes Bild des Beziehungssystems erstellt wird.
o Aus diesem Bild wird die Lösung abgeleitet und gestaltet: Zeigt die erste Aufstellung die blockierenden Muster nur auf, können sie in diesem dritten Schritt verändert werden, indem das Bild verändert wird.

Wie genau das Aufstellen an sich abläuft, hängt auch von der Auslegung der Methode ab. Denn die Stellvertreter-Rolle wird in manchen Aufstellungen sehr aktiv verstanden. Sie nehmen dann nicht nur die Position des Familienmitgliedes ein, dass sie vertreten, sondern mitunter auch deren Rolle – sie übernehmen die Sichtweisen und Gefühle der jeweiligen Person und äußern diese. Das wird als repräsentierende Wahrnehmung bezeichnet, was nichts anderes bedeutet, als dass die Stellvertreter „Fremdgefühle“ empfinden, die von ihnen unbekannten Personen stammen.

Mother and daughter having a great time while looking through old family photo album. Happy family moments at home

© Ivan via fotolia

Bei der Offenlegung wird dann überprüft, wie sich die in der Aufstellung erlebten Verstrickungen und Sichtweisen zu deiner eingangs formulierten Problematik verhalten. Aus dieser Analyse heraus wird dann die Lösung erarbeitet, indem die Aufstellung dahingehend verändert wird, dass die problematischen Stränge im Beziehungsgeflecht im wahrsten Sinne des Wortes aufgelöst sind. Der finale Schritt wäre dann, die Veränderungen in der Aufstellung auf die Beziehungen im echten Leben zu übertragen.

Was du mit einer Familienaufstellung für dich schaffen kannst

Wird das Familienstellen nicht nur mit Stellvertretern, sondern mit deiner richtigen Familie durchgeführt, gibt es neben deinem persönlichen Anliegen das übergreifende Ziel, für alle Beteiligten das Miteinander zu verbessern. Grundsätzlich ist es möglich, dass nicht nur du von den gewonnenen Erkenntnissen profitierst. Sie können darüber hinaus allen Familienmitgliedern helfen, ein besseres Verständnis für Komplexität und Wechselwirkungen der Beziehungen in der Familie zu entwickeln.

In erster Linie geht es aber natürlich darum, dass du selbst zu einem tieferen Bewusstsein für diese Verbindungen kommst und in Zukunft den besten Platz innerhalb dieser Beziehungen für dich findest. Es geht um ein Gleichgewicht, aus dem heraus du (so wie die ganze Familie) an die Entwicklungsprozesse herangehen kannst, die dir bisher versagt waren. Die Gewissheit, dass die Familienbande, wenn man so will, wieder intakt und stark verknüpft sind, ohne dabei deiner persönlichen Freiheit hinderlich zu sein, ist das angestrebte Ziel des Familienstellens.

Manchmal helfen verschiedene Rituale dabei, Vergangenes zu einem Abschluss zu bringen, Beziehungen neu zu knüpfen und so einen sauberen Übergang zum neuen Miteinander zu gestalten.

special moment of meeting between a butterfly and a girl in the middle of nature

© cristina conti via fotolia

Verantwortungsvoll zur eigenen Lösung

Wenn du dich näher mit dem Thema Familienstellen befasst, wirst du ohne Zweifel über kritische Stimmen stolpern. Die sind wichtig, weil die Methode selbst ein wichtiges Mittel innerhalb der Systemischen Therapie ist, aber dazu muss sie eben richtig angewendet werden. So sehr die Familienaufstellung etwa mit dem Namen Bert Hellinger verbunden ist, so kritisch wird dessen Auslegung der Methode betrachtet.

Damit das Familienstellen wirklich seine Wirksamkeit entfalten kann, müssen seine grundlegenden Prinzipien geachtet und eingehalten werden. Die Aufstellungsarbeit ist kein Spiel und der Leiter kann nicht von sich aus die Lösung für die aufgearbeiteten Probleme bringen. Dafür bist du ganz allein zuständig, du kannst im besten Fall auf dem Weg dorthin, zu deiner eigenen Lösung, verantwortungsvoll begleitet werden.