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Salutogenese: Gesundheit ist eine innere Haltung

Hin zum Glück!

Traumatisierte Menschen können wieder in ein glückliches, gesundes Leben finden.
Traumatisierte Menschen können wieder in ein glückliches, gesundes Leben finden.
© Katja J. via Unsplash

Was hält Menschen gesund? Mit dieser Frage beschäftigte sich israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonowsky (1923 – 1994). Ab 1960 erforschte er den Zusammenhang zwischen Stressfaktoren und Gesundheit. Im speziellen den Umgang von Frauen mit der Menopause. Viele der untersuchten Frauen waren während des zweiten Weltkriegs in Konzentrationslagern inhaftiert und ein Teil von ihnen hatte traumatische Erlebnisse. Es überraschte ihn, dass ein Teil der untersuchten Frauen trotz der Traumatisierung eine stabile und gute psychische Gesundheit vorwiesen.
Deshalb wollte er folgende Frage beantworten: Wie können Menschen trotz extremer psychischer Belastungen gesund bleiben oder es wieder werden? Seine Antwort darauf war das sogenannte Salutogenese-Modell. Salus (lat.) für Unverletztheit, Heil, Glück; Genese für Entstehung.


Zwischen Glück und Leid

Dieses Modell sagt, dass sich jeder Mensch im Leben zwischen Gesundheit und Krankheit hin und her bewegt, dem sogenannten Gesundheits-Krankheits-Kontinuum. Auf dem Weg hin zur Gesundheit begegnen uns immer wieder Stressoren, die in uns Spannungszustände erzeugen und die sich sowohl positiv als auch negativ auf die Gesundheit auswirken können. Er unterscheidet zwischen:

  • Chronischen Stressoren
  • Größeren Lebensereignissen
  • Alltäglichen Ärgernissen

Anschließend versuchen wir diese Spannung mithilfe generalisierter Ressourcen zu bewältigen. Unserem Immunsystem, finanziellen Mitteln, Wissen und Intelligenz, Flexibilität, Voraussicht, Glaube und unserem sozialen Netzwerk.

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Bleib Positiv!

Alles steht und fällt jedoch mit der Grundeinstellung eines Menschen zu sich selbst und der Welt. Diese Grundeinstellung bezeichnet Antonowsky als „Sense of Coherence“ (SOC), das so genannte Kohärenzgefühl. Es wird aus Lebenserfahrung und Selbstwertgefühl gespeist und ist ein Gefühl der Zuversicht. Die Grundeinstellung ist umso positiver, je mehr diese drei Punkte vorhanden sind:

  • Verstehbarkeit: Alltägliche Ereignisse sind vorhersehbar und verstehbar, es entsteht keine Überforderung durch plötzlich auftertende, ungeplante Situationen, die die Balance gefährden.
  • Bewältigbarkeit: Anforderungen sind mit den verfügbaren Ressourcen bewältigbar.
  • Sinnhaftigkeit: Anforderungen werden als Herausforderungen verstanden, für die es sich lohnt zu kämpfen.

Je ausgeprägter dieses Kohärenzgefühl bei einer Person ist, desto weniger empfindet sie anstrengende Situationen als belastend. Sie ist von einer erfolgreichen Problemlösung überzeugt. Sie nimmt Probleme klarer wahr und ist dadurch weniger von negativen Emotionen erfüllt. Daher wählt sie angemessene und gesundheitsfördernde Bewältigungsstrategien und bewegt sich tendenziell einfacher in Richtung dem Zustand, den wir als gesund bezeichnen.

Fazit: Wer sich das bewusst macht, kann mit einer positiveren Sichtweise im Umgang mit Stress und anderen Herausforderungen schon einiges bewirken und bewusst in Richtung Gesundheit streben. So lässt es sich auch erklären, wieso sich manche Frauen aus der Studie – trotz der schrecklichen, traumatischen Ereignisse – eine stabile psychische Gesundheit erhalten konnten und eine positiven Lebenseinstellung haben.