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Ich bin dann mal weg – Mein Sabbatical im Ausland

Ein Jahr nur für mich

Ein Sabbatical kann deiner Seele eine verdiente Auszeit geben.
Ein Sabbatical kann deiner Seele eine verdiente Auszeit geben.
© Deanna Ritchie via Unsplash

Wer kennt nicht ab und zu das Gefühl, in einem Hamsterrad gefangen zu sein? Besser gesagt, immerzu dem Alltagstrott zu folgen und keine richtige Freude und Motivation mehr zu haben an dem, was man macht. Morgens zählt man die Tage bis zum Wochenende, abends kommt man müde nach Hause und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die Tage bis zum Urlaub endlich schneller vorbeigehen. Doch was ist danach? Nach der einen langersehnten Woche am Strand, verfällt man wieder in den gleichen Rhythmus, fängt wieder an, die Tage zu zählen und ist schlichtweg unzufrieden. Was hat man denn da für Möglichkeiten, fragst du dich?

Steig doch einfach mal aus dem Hamsterrad aus und betrachte es von außen. Das funktioniert tatsächlich – möglich wird es durch ein Sabbatical.

Was ist ein sabbatical?

Kurz gesagt, kann man das sogenannte Sabbatical, das auch unter den Bezeichnungen „Sabbatjahr“ oder „Gap Year“ bekannt ist, als einen längeren Sonderurlaub definieren. An europäischen Hochschulen ist ein solches Forschungs- bzw. Freisemester offiziell seit dem Jahre 1990 möglich. Zunächst wurde die aus der Tora (Bibel, 3. Mose 25, 1-4) stammende Idee möglich gemacht für Beamte, also für Lehrer und Polizisten, doch immer mehr variieren die Regelungen in den verschiedenen Bundesländern und auch größere Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern mittlerweile die Chance auf so ein Auszeitjahr.

Der Sonderurlaub kann mehrere Gründe mit sich tragen, von gesundheitlicher Prävention bis Weiterbildung und Förderung der beruflichen Karriere sind die Gründe und Absichten sehr variabel. Beschließt man, sein Sabbatical im Ausland zu verbringen, haben natürlich das Reisen und Erlernen neuer Sprachen und Kulturen, also die Horizonterweiterung hohen Wichtigkeitsfaktor.

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Warum ist ein Sabbatical gut für mich?

Um dem Alltagstrott ein für alle Mal den Rücken zu kehren und wieder zurück zu dir selbst zu finden, ist das Sabbatjahr die ideale Möglichkeit für dich, nicht nur einem Burnout oder einer Depression entgegenzuwirken, sondern auch endlich mal deine Träume zu verwirklichen, Unbekanntes auszuprobieren, neue Leute kennenzulernen und neue Kraft zu tanken. Wenn du beschließt, das Sabbatjahr zum Beispiel mit deinem Partner oder deiner Familie zu verbringen, bringt euch diese Auszeit bestimmt viel näher, da der alltägliche Stress und die Lasten einfach wegfallen. Ihr seid ausschließlich mit euch beschäftigt, in einem neuen Umfeld.

Du kannst endlich mal ohne Druck entspannen, kannst vielleicht endlich Sachen machen, für die du sonst im Alltag keine Zeit fändest, zum Beispiel ein Instrument lernen, eine Sportart ausüben, eine Sprache lernen oder bereits erlangte Kenntnisse vertiefen! Und obwohl du dann etwas machst und dich aktiv weiterbildest, merkst du nach und nach, wie gut es dir geht, wie du immer mehr Negatives loslässt und wie sich ein warmes Gefühl in dir ausbreitet.

Was muss ich tun, um ein Sabbatical machen zu können?

Die Planung einer solch langen Auszeit ist natürlich nicht ganz ohne, doch diese 8 Schritte werden dir sicherlich den Start erleichtern:

Schritt 1 Entscheidung treffen: Die Entscheidung zu einem solch großen Schritt sollte gut abgewägt und nicht allzu hektisch und aus dem Gefühl heraus getroffen werden. Klar, in erster Linie sind es deine Gefühle, die dir wohl signalisieren werden, dass du etwas ändern musst. Doch mach dir zunächst klar, ob dies der richtige Schritt FÜR DICH ist.

Schritt 2 wichtige Personen einweihen: Damit ist nicht gemeint, dass du allen möglichen Menschen, die du triffst, von deiner Entscheidung zu erzählen und dich dann von deren Meinung darüber einnehmen zu lassen. Sondern informiere wirklich erstmal nur die Leute, von denen du willst, dass sie es wissen. Informiere dein/e Partner/in, vielleicht wollt ihr es ja zusammen machen.

Und nochmal ganz wichtig: Du hast die Entscheidung für dich getroffen, also informierst du andere lediglich darüber. Du fragst nicht, was sie dazu meinen und hoffst, sie bestärken dich in deinem Vorhaben, sondern du hast entschieden, dass du es machst und die Reaktionen und Meinungen anderer ist dabei völlig irrelevant, denn du machst es ja schließlich für dich.

Schritt 3 die Reise inhaltlich planen: Plane deine Reise grob schon mal etwas durch, setze dir evtl. Ziele, die du in der Zeit erreichen willst. Mach dir nochmal klar, warum du es machen willst. Und wenn du dabei kalte Füße bekommst, lass die Zweifel nicht dein Blickfeld trüben. Schließlich geht es hier nicht um die Wahl des Mittagessens, sondern um einen großen Schritt, den man wagt. Man hat sich dazu entschlossen, seine Komfort-Zone zu verlassen, Unbekanntes erwartet einen und da ist ein bisschen Bammel ganz normal.

Schritt 4 Checkliste & Zeitplan erstellen: Frag dich zuallererst einmal Folgendes: Wo will ich hin? Was will ich machen? Wie lange will ich das machen? Und daraus resultiert dann das Anfertigen einer Checkliste, die dir helfen wird zu entscheiden, was du brauchen wirst (und was nicht).

Schritt 5 Finanzierung: Je nach Arbeitgeber wirst du vielleicht während deinem Sabbatical einen Teil deines Lohns trotzdem noch bekommen, sicher ist das aber an diesem Punkt noch nicht. Daher überlege dir im Voraus, wie du dir das Jahr finanzieren wirst, damit später keine Probleme entstehen.

Schritt 6 Informiere deinen Arbeitgeber: Nachdem all diese Schritte vorgenommen wurden, bist du bestens darauf vorbereitet, ihm deinen Plan zu präsentieren.

Schritt 7 Vorkehrungen treffen: Die Abreise rückt immer näher, du freust dich auf die Reise… doch hast du zuhause auch wirklich alles erledigt? Ist die Auslandsreiseversicherung abgeschlossen, wo wird dein Auto in deiner Abwesenheit stehen, konntest du deine Wohnung untervermieten, hast du eventuelle Zeitschriftenabos gekündigt, die du bei deiner Rückkehr sowieso nicht lesen wirst, wer kümmert sich um dein Haustier? All diese und weitere praktischen Sachen müssen ggfs. bedacht werden, bevor man die Reise antritt. Außerdem überlege dir im Hinblick Blick auf die Reise selbst und das Zielland, ob du dir Basics der Sprache schon aneignen kannst, um dich von Anfang an zurechtzufinden und kommunizieren zu können. Klar wirst du deine Sprachkenntnisse später vor Ort vertiefen und perfektionieren können, doch hilfreich ist es auf jeden Fall, im Voraus schon etwas zu tun. Sinnvoll ist es auf jeden Fall, vor dem Sabbatical nochmal etwas Englisch zu lernen, denn mit der englischen Sprache kommt man ja bekanntlich in den meisten Ländern schon ganz gut zurecht.

Schritt 8 Loslegen: Nun bleibt nichts Anderes übrig, als loszulassen und ins kalte Wasser zu springen, die Auszeit zu genießen und den Traum wahr werden zu lassen.

Wie überzeuge ich meinen Arbeitgeber?

Selbstbewusst und vorbereitet aufzutreten ist das A und O, wenn man seinen Arbeitgeber überzeugen will, ihm den Sonderurlaub zu genehmigen und evtl. sogar noch einen Teil des Lohnes währenddessen zu bezahlen. Bereite dich gut auf das Gespräch vor, erkläre, warum du die Auszeit machen willst und wie lange. Zeige auch Argumente auf, warum er zum Beispiel auch von dieser Auszeit profitieren könnte (zum Beispiel weil du dadurch interkulturelle Kompetenzen und neue Soft Skills erlangen wirst und diese hilfreich für das Unternehmen sein werden). Sei bereit, Kompromisse einzugehen und erwarte nicht, dass er direkt einverstanden und alles absegnen wird. Wie gesagt, ist so Sabbatical ein großer Schritt für den du dich entschieden hast und genauso wie du dir Zeit für diese Entscheidung genommen hast, solltest du deinem Arbeitgeber Zeit geben, in der er das Projekt überdenken und einen Entschluss fassen kann.

Fazit

In vielerlei Hinsicht hat so ein Sabbatical Vorteile für dich und für dein Umfeld. Du eignest dir neue Kompetenzen an, öffnest deinen Geist für neue Eindrücke und lernst viel Neues. Doch in erster Linie soll ein Sabbatical dazu da sein, dem Menschen gut zu tun, ihm helfen, sein Inneres zu sortieren und sich selbst (wieder) zu finden. Daher ist Planung und Organisation zwar wichtig, jedoch sollte immer bedacht werden, dass man den einen Stress, nämlich den des Alltags, nicht durch Reisestress austauschen sollte. Entspannung und Ruhe sind hier geboten, ob vor, während oder nach der Reise.