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Nostalgie: Warum früher alles besser war

Weißt du noch damals, als…?

Warum wir uns zu dem Vergangenen hingezogen fühlen.
Warum wir uns zu dem Vergangenen hingezogen fühlen.
© Seth Doyle via Unsplash

Schallplatten sind schon seit Jahren wieder im Kommen. Kinder wünschen sich zum Geburtstag keine iPods mehr, sondern Walkmans und die Modeindustrie setzt wieder auf die Trends der 80er und 90er Jahre. Es scheint, als würde sich die ganze Welt vor den Entwicklungen der Gegenwart schützen, indem sie Zuflucht in der Vergangenheit sucht. In den „guten, alten Zeiten“, wie man so schön sagt. Doch welche Auswirkungen hat das nostalgische Schwelgen? War früher wirklich alles besser?

Das Gefühl der Nostalgie ist so stark wie nie

Die Wirtschaft rund um das Phänomen der Nostalgie boomt. Die Menschen reißen sich regelrecht um die kleinen Momente, die ihnen das wohlige Gefühl geben, sie befänden sich wieder in ihrer Kindheit oder Jugend. Versehen mit dem Etikett „Vintage“ und „Retro“ werden elektronische Geräte, Kleidung und Musik propagiert, die uns für kurze Zeit Kind oder Teenager spielen lassen.

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Doch zur Beruhigung aller lässt sich sagen: Das Gefühl der Nostalgie wurde nicht erst im 21.Jahrhundert geboren. Dennoch hat es den Anschein, dass uns durch die zunehmende Präsenz der Medien und des Internets, die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, meist resultierend aus wirtschaftlichem Interesse, überall hin verfolgt.
Selbst den Menschen von uns, die sich in der Gegenwart wohl fühlen, wird somit das Vergessen der vergangenen Zeiten schwer gemacht.

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War früher wirklich alles besser?

Besonders Menschen mittleren oder fortgeschrittenen Alters schwelgen in Erinnerung an ihre Kindheit und Jugend. Mehrere Studien der Forscher Terence R. Mitchell, Leigh Thompson, Erika Peterson und Randy Cronk haben ergeben, dass sich die Menschen meistens nur an die schönen Momente der Vergangenheit erinnern und die schlechten Gefühle schnell ausgeblendet werden. Der dauerhafte Regen, der uns auf unserer Italien-Reise begleitet hat, oder die etlichen Streitereien, die wir mit unseren Geschwistern in unserer Kindheit ausgetragen haben, geraten also in Vergessenheit. Übrig bleibt eine rosarote Erinnerung, genannt „Rosy View“, die mit der Realität meist nichts mehr gemein hat.

Warum die Nostalgie uns glücklich macht

Eine Studie der Universität von Southampton fand heraus, dass Nostalgie uns sogar physisch wärmen kann. Anhand von einigen Experimenten, in denen die Probanden eisiger Kälte ausgesetzt waren, wurde festgestellt, dass Erinnerungen an die Vergangenheit uns tatsächlich wärmen. Doch das Gefühl der Nostalgie ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen fühlt es sich an wie eine idyllische Erinnerung, die uns prompt ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Meist gefolgt wird dieses Gefühl hingegen durch einen Stich ins Herz, bei der darauffolgenden Erkenntnis, dass wir einer vergangenen Impression nachjagen, die uns lediglich von der Gegenwart ablenkt. Eine liebevolle Erinnerung an die vergangenen Zeiten tut uns also in den meisten Fällen gut. Doch sollten wir dabei nicht die Gegenwart aus den Augen verlieren. Denn immerhin wird sie die Nostalgie der Zukunft prägen.

Quellen:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022103197913330

https://www.southampton.ac.uk/news/2012/12/heat-warming-memories.page