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Das Hikikomori-Syndrom: Wenn Einsamkeit krank macht

Von Japan nach Europa

Einsamkeit kann nicht nur guttun.
Einsamkeit kann nicht nur guttun.
© Anthony Tran via Unsplash

Das Einsamkeit einem Menschen auf Dauer nicht guttut, dürfte bekannt sein. Viele Menschen sind unverschuldet einsam, doch manche von ihnen ziehen sich auch bewusst zurück und dieser Rückzug kann krankmachen, wie das japanische Hikikomori-Syndrom besagt. Was lange als japanische Form der Einsamkeit galt, findet seinen Weg auch langsam nach Europa.

Einsamkeit ist keine Seltenheit

Fast jeder kennt einen Menschen in seinem Umfeld, der von Depressionen betroffen ist. Laut WHO waren 2014 rund 350 Millionen Menschen weltweit von verschiedensten Arten der Depression betroffen.

Sich ab und zu mal zurückzuziehen, wenn es einem schlecht geht, ist verständlich und kann uns Menschen guttun. Doch wenn das Abschalten von der Außenwelt zu einem Dauerzustand wird, werden wir Menschen krank.

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Der Ursprung der Einsamkeit liegt in Japan

Hikikomori bedeutet auf Deutsch so viel wie „Rückzug“. Als Hikikomori bezeichnen sich solche Menschen, die sich auf eigenen Willen zurückziehen und die Einsamkeit suchen. Aus dieser Einsamkeit von alleine wieder herauszukommen ist so gut wie unmöglich.

Der Begriff hat sich in Japan schon lange etabliert. Die Betroffenen sind meist männliche, junge Erwachsene. Sie brechen jeglichen Kontakt zur Außenwelt ab, ziehen sich in ihr eigenes oder ihr Elternhaus zurück und lassen noch nicht mal ihre Familien an sich heran.

In Japan gibt es mittlerweile Wohnheime für Hikikomori, die wieder ins normale Leben eingegliedert werden sollen. Eine richtige Therapie gibt es dort nicht. Vielmehr sollen die jungen Menschen während normalen Tätigkeiten, wie kellnern, wieder den Umgang mit ihren Mitmenschen erlernen.

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Hikikomori in Europa

Und diese Entwicklung kann schon länger nicht mehr nur als japanische Eigenart abgetan werden. Spanische Psychiater haben medizinische Akten untersucht, von Menschen, die aufgrund von psychischen Störungen zu Hause lebten. Ein Großteil von ihnen lebte, ähnlich wie die Hikikomori, bereits seit mehreren Jahren zu Hause und das extrem isoliert. Anders als in Japan, sind jedoch die Gründe für das Zurückziehen in Europa anders.

In Japan ist der Leistungsdruck in der Arbeitswelt um einiges höher und mit viel weitreichenderen Konsequenzen verbunden als bei uns in Europa. Hier waren die Gründe vielseitiger, die Betroffenen litten unter anderem an Persönlichkeitsstörungen, Psychosen, Depressionen und Angsstörungen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind jedoch noch nicht wirklich ausgereift und müssen noch besser erforscht werden. Aus dem Raster gefallen sind unter anderem Menschen, die nicht in einer medizinischen Kartei aufgetaucht sind und sich ohne das Wissen ihrer Mitmenschen immer weiter zurückgezogen haben.

Was du gegen Einsamkeit tun kannst

Wie gesagt, ein wenig Zeit für sich, ist überhaupt kein Problem und hilft uns sogar dabei, unsere Probleme von einer anderen Seite zu sehen und neue Lösungen zu finden.

Solltest du jedoch merken, dass einer deiner Angehörigen oder du selber, sich immer mehr zurückzieht, hilft es vor allem, professionelle Hilfe oder das persönliche Gespräch zu suchen.