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Heute ist Gegenteil-Tag!

Verrückt und einfach wunderbar!

Die Routine einfach mal über Board werfen und für einen Tag alles ganz anders machen - das ist wie Stretching fürs Gehirn.
Die Routine einfach mal über Board werfen und für einen Tag alles ganz anders machen - das ist wie Stretching fürs Gehirn.
© Gratisography via Pexels

Himbeereis zum Frühstück, wilde Verfolgungsjagden auf Münz-Einwurf-Pferden und sonst noch ein paar kleine Verrücktheiten? Ja, gerne! Denn das ist wie eine Runde Stretching für unser Gehirn, das nur allzu gern auf Routine schaltet. Machen wir doch einen Tag mal genau das Gegenteil von dem, was wir sonst so tun! Morgenmuffel stehen mit der Sonne auf. Wer’s immer eilig hat, darf trödeln … Wetten, dass das ein spannender, kreativer Tag wird?

Wer Nein sagt, meint Ja

Den Gegenteil-Tag gibt es wirklich: Der US-Abgeordnete Alexander Kerr Craig erfand ihn 1872. Seitdem feiern amerikanische Kinder am 25. Januar den „Opposite Day”. Wer Nein sagt, meint Ja − und natürlich umgekehrt. „Ich liebe dich nicht”, glucksen dann die Kleinen und freuen sich über Mamas entrüstetes Gesicht. Mich brachte meine Freundin Renate drauf. Sie erzählte mir, dass sie regelmäßig, um ihre Gewohnheiten gut durchzulüften, einen Gegenteil-Tag einlegt. Eine Art „Wakeup- call” fürs Unterbewusstsein.

Denn Routine ist ok − beim Zähneputzen oder Autofahren müssen wir nicht mehr über jede Bewegung nachdenken. Bis zu 95 Prozent der Entscheidungen treffen wir unbewusst, so der ehemalige Professor der Harvard Business School Gerald Zaltman. Unser Körper versucht alles zu routinisieren, weil er dann Energie spart. Doch was ist mit den restlichen fünf Prozent Hirnkapazität? Denen tut es gut, immer wieder herausgefordert zu werden, neue Wege zu gehen, etwas Spannendes auszuprobieren.

Mantra #3 Asato ma sat gamaya

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Ich pfeiff‘ auf Schema F

Klar gibt es Momente, wo wir eher auf Veränderung gepolt sind, wie etwa ein Umzug, das erste Kind, eine Hochzeit − oder nach einschneidenden Erlebnissen oder Lebenskrisen. Doch wir müssen nicht auf diese „Lernfenster” oder gar Krisen warten, um unsere Gewohnheiten zu verlassen, ermutigt uns der New-York-Times-Reporter Charles Duhigg in seinem Bestseller „Die Macht der Gewohnheit”. Stellen wir uns doch mal vor: Heute ist Montag und wir können es kaum erwarten, in die Woche zu starten. Wir springen aus dem Bett und freuen uns auf die Arbeit. Klingt irgendwie verrückt? Ja, ist es auch. Aber tut es nicht auch gleich was mit uns? Der Gedanke ist irritierend, aber auch verführerisch.

Wie eine Frischzellenkur für unser Hirn, wie ein Besuch beim Hundefriseur für das Gewohnheitstier in uns: Wenn du sonst immer morgens im Auto im Stau stehst, nimm heute das Fahrrad, genieße die Sommerluft, den Wind, die Geschwindigkeit. Wenn du sonst immer Hosen trägst, weil’s praktischer ist, dann ziehe einen Rock an, der wunderbar schwingt, wenn du dich bewegst. Wenn du schnell im Rausgehen einen Espresso kippst, setze dich auf eine Terrasse und nimm noch gleich ein Croissant zum Kaffee dazu. Ungeduldige versuchen heute, geduldig zu sein, Quasselstrippen halten mal den Mund und beobachten, was passiert, Schüchterne lächeln Fremde an, wer klassische Musik mag, hört zur Abwechslung mal Rock … Warum eigentlich nicht?

Wie Yin und Yang

Vielleicht bemerkst du ganz neue Talente, ganz neue Seiten an dir? Denn wir sind alle komplexe Wesen. Unser Charakter hat auch immer seinen Gegenpart. Oft ziehen uns Menschen an, die genau das Gegenteil von uns sind, damit unsere Seele etwas lernt. Alles auf der Welt hat seinen Gegensatz: die Sonne und der Mond, der Tag und die Nacht, Schwarz und Weiß, das Weibliche und das Männliche … Sie sind wie Feuer und Wasser, sie bedingen sich und können nicht ohne den anderen. Wie Yin und Yang sind sie immer im Austausch. Die Kunst ist es, keine Seite zu schwer werden zu lassen. Nur wenn die verschiedenen Energien in Balance sind, geht es uns gut. Dann sind wir im Flow. Deshalb ist es so wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Wenn wir zu viel Stress haben, von einem Termin zum anderen jagen, brauchen wir Ruhe und Stille, Zeit zum Abschalten. Wenn wir zu viel auf dem Sofa herumliegen und unterfordert sind, brauchen wir dringend Action und Seelen-Nahrung.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Gegenteil-Tage sind Wellness für den Geist, sie küssen uns wach und zeigen, was uns fehlt. Yin oder Yang, Ruhe oder Action, Nähe oder Distanz, Geborgenheit oder Abenteuer? „Wenn du glaubst, Abenteuer seien gefährlich, dann probier’s mit Routine: Die ist tödlich!”, stellte schon Paulo Coelho mit einem Augenzwinkern fest. Denn zu viel Routine ist wie mit angezogener Handbremse zu fahren: Sie killt unsere Lebenskraft. Unser Hirn braucht neue Impulse so dringend wie Schlaf und Nahrung, sonst verkümmert es. Je mehr wir es füttern und fordern, desto größer ist der Stretchfaktor. Also sollten wir uns öfter mal etwas Neues, Anspruchsvolles zumuten − allein schon aus Fitnessgründen.

Reisen sind immer gut. In einem neuen Land, in anderer Umgebung werden wir plötzlich mutig und risikofreudig. Im Urlaub fühlen wir uns frei. Wir haben Zeit. Wir genießen das Leben. Aber warum gelingt uns das in den Ferien so viel leichter? Was, wenn wir dieses Feriengefühl mit nach Hause nehmen und unser freies, abenteuerlustiges Ich auch gleich einpacken? Wäre das nicht wunderbar?

Spüren, was es mit uns macht

Auch im Alltag können wir uns kleine Auszeiten gönnen, aus dem Käfig der Gewohnheiten ausbrechen, so oft wie’s geht. „Die Welt ist nicht schwarz und auch nicht weiß, sie ist manchmal grau, aber in Wirklichkeit ist sie bunt!”, so schreibt Jens Böhme in seinem Roman „Der Tausendfüßler”. Also Augen auf für die Farben des Lebens! Fordere dich heraus! Schaue heute auf dem Heimweg mal auf alles, was rot ist … oder gelb oder blau. Nimm dir vor, heute nur Nein oder nur Ja zu sagen. Lasse den Stau links liegen und laufe über eine Wiese. Spüre, was das mit dir macht! Und wenn wir das nächste Mal in Routine versinken, legen wir einfach einen Gegenteil-Tag ein. An dem die Flüsse rückwärts fließen, Zebras getupft sind und der Weihnachtsmann die Ostereier bringt.

So sieht mein Gegenteil-Tag aus

Heute zeigst du der Routine eine lange Nase und machst alles einfach mal anders … Viel Spaß!

Beantworte diese Fragen, um deinen Tag zu planen
  • Wann stehe ich auf?
  • Wie begrüße ich den Tag?
  • Was ziehe ich (nicht) an?
  • Wie bewege ich mich fort?
  • Was nehme ich mir vor?
  • Was packe ich ein?
  • Was lasse ich heute auf jeden Fall sein?
  • Was mache ich heute garantiert anders?
  • Was gönne ich mir ausnahmsweise?
  • Mit wem will ich Zeit verbringen?
  • Was probiere ich mal aus?