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Gläser Rücken: Den Geistern auf der Spur?

Hokuspokus oder bitterer Ernst?

Ein klassisches Ouija Brett zum Rufen der Geister.
Ein klassisches Ouija Brett zum Rufen der Geister.
© Leontiev_E via Bigstock

Man nehme ein düsteres Spuk-Haus, ein stürmisches Gewitter, eine Gruppe ahnungsloser Teenager und ein verstaubtes Ouija-Brett – Schon steht der klassische Einstieg eines Horrorfilms. Unzählige Menschen haben sich bereits selbst an dem Spuk-Klassiker versucht. Manche sprechen hierbei von Humbug, Andere hingegen sehen darin den Beweis für das Übernatürliche.
Doch wie abwegig ist die Idee mittels des Gläser Rückens, Kontakt zu Geistern aufzunehmen?

Gläser Rücken: Eine kleine Geschichte

Das sogenannte Gläser Rücken, ist wie auch das Ouija Brett ein Teil des Spiritismus. Darunter versteht man die, durch ein Medium geführte, Kommunikation mit dem Übernatürlichen. Wie lange die Menschen bereits versuchen mit dem Jenseits in Kontakt zu treten, ist schwer zu sagen. Es gibt Theorien, dass bereits antike Philosophen wie Pythagoras mit Hilfe von hellsichtigen Medien versucht haben, Kontakt zu der metaphysischen Welt aufzunehmen.
Populär wurde die Idee des Geister Rufens in der westlichen Kultur allerdings erst im 19. Jahrhundert. Besonders in New York fanden sich immer mehr Anhänger des Okkultismus, die davon überzeugt waren, dass es möglich ist, mit bereits verstorbenen Seelen zu kommunizieren.
Spätestens seit der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts, als Horrorfilme und die immer wieder auftretende Frage nach dem Übernatürlichen, stetig beliebter wurde und auch das Gläser Rücken festen Einzug in das Spuk-Genre erhielt, weiß so ziemlich jeder, was unter dem Begriff „Gläser Rücken“ gemeint ist.

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Wie funktioniert das Gläser Rücken?

Wenn auch du zu jenen neugierig, faustischen Menschen gehörst, für die es kein schöneres Gefühl gibt, als den eiskalten Schauer im Nacken und das Prickeln der Gänsehaut zu spüren, dann wird es Zeit, dass du den nächsten Spieleabend absagst und dich stattdessen zusammen mit einem vertrauenswürdigen Komitee an Freunden, mit den Geistern in deinem Zuhause in Verbindung setzt. Oder es zumindest versuchst.
Was du alles für das Glaser Rücken brauchst, erfährst du hier:

  • Ein Hexenbrett, auch Ouija Brett genannt. Als Alternative kannst du einfach auf einem großen Bogen Papier das Alphabet, die Ziffern 0-9 und ein Feld für Ja und Nein aufmalen.
  • Ein kleines Glas (beispielsweise ein Schnapsglas)
  • Mindestens drei Teilnehmer
  • Einige Fragen an einen bestimmten oder beliebigen Geist, die vorab von den Teilnehmern geklärt werden sollten.
  • Gegebenenfalls Kerzen, um eine passende Atmosphäre zu errichten

Damit das Gläser Rücken einwandfrei abläuft, sollte der Raum, in dem ihr die sogenannte Séance abhaltet, abgedunkelt und frei von jeglichen Störfaktoren, wie beispielsweise geöffneten Fenstern oder Handys sein. Die Teilnehmer der Séance sollten sich in einem Kreis um das Hexenbrett (oder Papier) setzen. Anschließend legt jeder der Teilnehmer seine rechte Fingerkuppe auf den Rand des Glases, welches vorher in der Mitte des Hexenbretts platziert werden sollte.

Nun sollte der Leiter der Séance (Im Idealfall sollte es sich dabei natürlich um ein ausgebildetes Medium handeln, aber falls dieses mal nicht zur Stelle sein sollte, so kann man auch einfach eine beliebige Person auswählen) die erste Frage in den Raum stellen. Diese Frage sollte so grob in die Richtung „Geist, wir rufen dich!“ gehen.

Daraufhin könnt ihr nacheinander eure weiteren Fragen stellen. Etwa:
„Wie ist dein Name?“
„Wie bist du gestorben?“, oder auch
„Möchtest du uns etwas mitteilen?“
Ist der Geist euch gut gewillt, wird er, laut der Theorie des Gläser Rückens, das Glas auf die jeweiligen Buchstaben oder Ziffern bewegen und euch somit seine Antwort buchstabieren.

Von positiven Erfahrungen und angsteinflößenden Legenden

Es gibt durchaus Menschen, die beschwören, dass sie mittels jener Séancen mit ihren verstorbenen Angehörigen oder Freunden kommunizieren konnten und sogar einige offene Fragen durch die Antworten der Geister geklärt werden konnten. Allerdings mischen sich auch seit jeher warnenden Stimmen unter das Okkultismus-Milieu, die unerfahrenen „Geisterjägern“ gänzlich davon abraten, mit dem Spuk-Spektakel zu experimentieren.
Es sei durchaus möglich, dass man durch unüberlegte Fragen und mangelnden Ernst beim Gläser rücken die Geister verärgere, die daraufhin ihr Unwesen im betreffenden Zuhause treiben oder sogar den eigenen Körper nach Lust und Laune besetzen können.
Und all das nur weil man bei der Halloween-Party etwas Spaß haben wollte!
Wenn man sich, trotz der zahlreichen Gefahren, an dem Gläser Rücken versuchen möchte, dann solle man laut Experten, zumindest nett und höflich zu dem Geist sein und sich (ganz wichtig!) auch wieder anstandsgemäß von ihm verabschieden, da man sonst riskiere, dass der Geist sich auf Dauer in seinem Zuhause einnistet.

Wissenschaftliche Erklärungen für das Gläser Rücken

Selbst eingefleischte Rationalisten können zum Teil nicht leugnen, dass sich die Gläser bei ihren abgehaltenen Séancen tatsächlich ein wenig bewegt haben.
Steckt also wirklich etwas hinter der Spuk-Erscheinung?
Wahrscheinlich nicht, sagt die Wissenschaft, denn die hat bereits eine ganz andere Ursache für das Phänomen der bewegenden Gläser gefunden.

Der Carpenter Effekt

Abgesehen davon, dass sich in den meisten Fällen einer der besonders lustigen Teilnehmer einen bösen Streich mit seinen Mitmenschen erlaubt, gibt es noch eine andere plausible Erklärung für das Gläser Rücken:
Der sogenannte Carpenter Effekt legt dar, dass wir beim Gläser Rücken unterbewusst, durch unsere Gedanken gesteuerte Bewegungen ausführen. Genauer gesagt bedeutet das: Wenn wir uns vorstellen, dass sich das Glas bewegen wird, beziehungsweise eine solche Bewegung erwarten, dann sendet unser Gehirn automatisch ein Signal an unsere Muskulatur aus, dass diese dazu veranlasst, die Bewegung auszuführen. Allerdings passiert das Ganze meist unterbewusst, sodass wir nicht merken, wie wir das Glas von selbst steuern.
Besonders wenn mehrere Menschen gleichzeitig, und das ist bei dem Gläser Rücken ja bekanntlich der Fall, dem Carpenter Effekt unterliegen, können teilweise große Bewegungen zu Stande kommen.

Doch wo enden die Erklärungen der Wissenschaft?

Anhänger des Okkultismus und vermeintliche Zeugen einer solchen Kontaktaufnahme mit einem übersinnlichen Wesen werfen allerdings die Frage auf, wie es sein kann, dass tatsächlich logische Antworten mittels des Gläser Rückens gegeben werden können, wenn doch alles nur dem Zufallsprinzip des Carpenter Effekts unterliegt.
Außerdem sind viele Menschen fest davon überzeugt, dass sich auch das klassisch auftretende Beklommenheitsgefühl, eisige Windhauche oder Bücher, die ohne Grund aus dem Bücherregal fallen, durch die Wissenschaft nicht erklären lassen.

Du merkst, dass uns noch so einige Fragen bezüglich des Jenseits unbeantwortet bleiben und wir die wahren Gründe hinter solch wiedernatürlichen Begebenheiten vielleicht niemals aufdecken werden. Denn bei einer Sache sind sich sowohl Quantenphysiker, als auch Esoterik-Liebhaber einig:
Die Existenz der Geister und Spuk-Erscheinungen lässt sich zwar bis jetzt nicht beweisen, ihre Nicht-Existenz allerdings genauso wenig.