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Durchsetzen, aber friedlich – Achtsames Sprechen mit gewaltfreier Kommunikation

Wähle Worte weise

Gewaltfreie Kommunikation lehrt in einem Streit nicht einfach allen Emotioen nachzugeben.
Gewaltfreie Kommunikation lehrt in einem Streit nicht einfach allen Emotioen nachzugeben.
© Priscilla du Preez via Unsplash

Menschen sind kommunikative Wesen. Auch wenn keine andere Person da ist, sind wir den ganzen Tag im Gespräch: mit uns. Entweder gedanklich oder manchmal auch laut. Das Sprechen transportiert aber nicht nur beabsichtigte Informationen – etwa, dass es um acht Essen gibt oder der Bericht bereits fertig ist. Bei jedem Gespräch kann noch viel mehr mitgeteilt werden, über die Lautstärke, die Stimmlage, die Intonation, die Wortwahl oder den Satzbau.

Auf was achtet man beim Sprechen?

Das Sprechen, sowohl mit anderen als auch das Selbstgespräch, ist eine ganz alltägliche und doch immer wieder neue Tätigkeit, die ganz hervorragend dafür geeignet ist, Achtsamkeit zu praktizieren: Wie spreche ich? Wie höre ich zu? Wie viel Wert lege ich auf eine präzise Wortwahl?

Achtsames Sprechen für mehr Wohlbefinden

Bedachtes und achtsames Sprechen mag in der heutigen Zeit und Alltagshektik etwas unkonventionell wirken. Es ist aber ein wunderbares Werkzeug, um aktiv das eigene Wohlbefinden zu verbessern und sich selbst näherzukommen. Jede Form der Kommunikation erzeugt eine Reaktion – nicht nur beim Zuhörer, sondern auch beim Sprecher. Bezogen auf die Kommunikation gibt es das Sprichwort: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es wieder heraus. Karma. Jede Handlung hat Folgen.

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Gewaltfreie Kommunikation als Ansatz

Eine Form des achtsamen Sprechens stellt die Gewaltfreie Kommunikation dar. Dieses Handlungskonzept wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt und soll dabei helfen, sich klar und ehrlich ausdrücken zu können und aktiv und empathisch zuzuhören. Dadurch haben die Bedürfnisse und Gefühle aller Gesprächspartner Raum und Gespräche sind weniger konfliktgeladen.

Gewaltfreie Kommunikation wird auch Sprache des Herzens genannt, da beobachtet statt gewertet wird und auch die Grenzen der Kommunikationsform und der Sprecher anerkannt werden: Friedliches Durchsetzen ohne andere zu verletzen. Neben der Empathie anderen gegenüber stellt Rosenberg auch die Selbstempathie in den Vordergrund. Er macht deutlich, dass das vierschrittige Grundmodell der Gewaltfreien Kommunikation erst nach langem Üben Alltagskommunikation wird und dadurch eine tägliche Achtsamkeitsübung ist. Durch diese bleiben die Sprechenden im Hier und Jetzt und können sich selbst im Moment erleben.

Die vier Regeln der gewaltfreien Kommunikation

Beobachten:

Wenn ein Konflikt oder Streit ausgebrochen ist, beobachte zunächst, was passiert ist und was im Moment passiert. Wichtig ist hier nicht die eigenen Emotionen Überhand nehmen zu lassen und einen kühlen Kopf zu bewahren. Nimm alle Informationen, die dir geliefert werden auf und wahr. Was wird gesagt, wie wird von allen Beteiligten gehandelt?

Wahrnehmen der Gefühle:

Horche nun in dich hinein und finde heraus, wie du dich fühlst. Lasse dich aber nicht von einen Gefühlen übermannen. Ein kontrollierter Blick auf die Emotionen ist sehr wichtig, um herauszufinden, was du wirklich empfindest. Rosenberg unterscheidet zwischen primären und sekundären Gefühlen. Primäre Gefühle sind unsere wahren, echten Emotionen, die oft von sekundären Gefühlen verfälscht werden.Sekundäre Gefühle sind Emotionen, die uns unsere Psyche vogaukelt, meist aus einer Schutzfunktion heraus.

Hier ein Beispiel: Jemand gerät in eine Situation, die unbekannt für ihn ist und zusätzlich noch Konfliktpotenzial birgt. Viele Menschen reagieren hier mit Aggressionen oder Wut – dem sekundären Gefühl. Die wahren Emotionen – die primären Gefühle – sind jedoch vermutlich eher Hilflosigkeit und Kontrollverlust. Versuche also immer bevor du dich einem Konflikt stellst, herauszufinden, was deine primären Gefühle sind.

Meditation: Mantra zur Stärkung deiner Willenskraft

Was will ich?:

Jetzt geht es darum herauszufinden, was deine Bedürfnisse sind. Was will ich? Welche Bedürfnisse hat mein Gegenüber nicht erfüllt und wie kann ich meine Bedürfnisse klarer kommunizieren?

Beispiel: Dein Partner war mit Freunden aus und ist sehr viel länger fortgeblieben als erwartet. Er kommt nach Hause und du bist sauer auf ihn? Aus welchem Bedürfnis heraus hat sich diese Emotion entwickelt? Ist es, weil du ihn gerne um dich herum gehabt hättest, weil du gerade gestresst bist und Unterstützung brauchst? Ist es eine kurze Textnachricht, dass es heute etwas später wird und du dir keine Sorgen machen musst?

Bedürfnisse sind sehr individuell und haben oft sehr verschiedene Ursachen. Was sind deine Bedürfnisse?

Kommunizieren der Bedürfnisse:

Nun ist es an der Zeit deinem Gegenüber mitzuteilen, welche Bedürfnisse du hast. Achte hier darauf nicht zu emotional zu werden und die Kontrolle zu verlieren. Formuliere in klaren und nicht vorwurfsvollen Worten, was du brauchst und wie du dich fühlst, wenn du es nicht bekommst. Diese Art der Kommunikation kann dich vor vielen nervenaufreibenden Konflikten bewahren und führt in vielen Fällen zu mehr Harmonie und Verständnis.