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Freier Wille – Bestimmst du selbst über deine Handlungen?

Wie wir Entscheidungen treffen

Wie frei bist du?
Wie frei bist du?
© Candice Picard via Unsplash

Wenn wir uns dafür entscheiden, etwas zu tun, nicht zu tun, zu sagen, oder nicht zu sagen, geschieht das dann aus freien Stücken, hat also unser freier Wille entschieden, oder stecken dahinter Naturgesetze, die wir nicht beeinflussen können? Ist der freie Wille der Drahtzieher unserer Handlungen oder sind wir vielleicht mehr abhängig von der Chemie, die in unseren Gehirnen stattfindet, als wir denken?

Wenn du dir die Frage „Was will ich?“ stellst – bezogen auf die Zukunft, das Hier und Jetzt, oder einfach allgemein im Leben – hat dann da dein freier Wille zu dir gesprochen, bist das wirklich du, der aus freien Stücken all das tut, um sein Ziel zu verwirklichen oder stand schon fest wie du dich entscheidest, bevor du gehandelt hast?

Freier Wille – Nur eine Illusion?

Wissenschaftler, Psychologen und Philosophen streiten schon seit Jahrhunderten darüber, ob ein freier Wille wirklich existiert, oder ob er vielleicht doch nur eine Illusion ist. Deterministen glauben nicht daran, dass der Mensch frei darüber entscheidet, wie er in einer bestimmten Situation handelt. So vertritt beispielsweise der Neurophysiologe und Hirnforscher Wolf Singer die Meinung, dass Handlungen die Folge von Genetik und eingeprägten Erfahrungen eines Menschen seien. Im Gehirn fänden Abwägungsprozesse statt, anhand derer dann entschieden würde, wie man weiter vorgehe.

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Ist ein Freier Wille die Basis aller Entscheidungen?

Neben den Deterministen gibt es die Kompatibilisten, die glauben, dass ein freier Wille existiert, ohne zu leugnen, dass auch Naturgesetze Einfluss auf Handlungen haben. Es besteht also eine Kompatibilität beziehungsweise Vereinbarkeit von freiem Willen und Naturgesetzen. Prof. Dr. John-Dylan Hayenes vom Bernstein Center for Computational Neuroscience, Prof. Dr. Benjamin Blankertz und Matthias Schultze-Kraft von der Technischen Universität Berlin fanden in einem Experiment heraus, dass der Mensch, selbst wenn er bereits eine Entscheidung getroffen habe, diese trotzdem noch spontan ändern könne. Dies sei bis zu einem sogenannten „point of no return“ möglich. Dabei handelt es sich um einen Zeitpunkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt.

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Freier Wille und Intuition

Die Intuition könnte die Verbindung von Determinismus und Kompatibilismus sein. Wer intuitiv handelt, der fällt spontan eine Entscheidung. Andererseits beruhen diese Entscheidungen oft aus Erfahrungen in der Vergangenheit. Man versucht die Herausforderung, vor dem man gerade steht mit Erlebnissen aus der Vergangenheit zu vergleichen. Wie hat man sich damals entschieden? War das Ergebnis positiv oder negativ? Hat sich eine bestimmte Verhaltensweise öfters positiv bewährt oder nicht? Man geht im Kopf die Vor- und Nachteile durch und trifft dann, die seiner Meinung nach, beste Entscheidung.

Ob ein freier Wille wirklich existiert oder nicht, wird höchstwahrscheinlich noch lange Gesprächsstoff für Diskussionen bieten. Für welche Position du dich entschiedest, liegt aber ganz bei dir. Vielleicht ist aber auch gar nicht wichtig, ob man aus freien Stücken handelt, oder das Gehirn über dich entscheidet. Wichtig ist, dass du mit deinen Entscheidungen glücklich bist und aus deinen Fehlern lernst. Wer oder was dafür verantwortlich ist, ist eigentlich nur Nebensache. Was meinst du?

 

Quellen

Charité – Universitätsmedizin Berlin, https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/wie_frei_ist_der_wille_wirklich/, 23.11.2018

Süddeutsche Zeitung: „Der freie Wille ist nur ein gutes Gefühl“, 2006. https://www.sueddeutsche.de/wissen/hirnforschung-und-philosophie-der-freie-wille-ist-nur-ein-gutes-gefuehl-1.1046593, 23.11.2018