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Faszination Faszien

Den Körper befreien, die Seele beflügeln

Wenn wir uns frei und entspannt fühlen, spiegelt sich das auch in unseren Faszien wider und Verhärtungen lösen sich auf.
Wenn wir uns frei und entspannt fühlen, spiegelt sich das auch in unseren Faszien wider und Verhärtungen lösen sich auf.
© Julia Caesar via Unsplash

Ein geheimnisvolles Netz durchzieht unseren Körper: die Faszien. Diese feinen Schichten aus Bindegewebe haben sehr großen Einfluss auf uns: Sind sie verspannt und verhärtet, umschließen sie unseren Körper und unsere Psyche wie die Mauern eines Gefängnisses. Lockern und lösen wir sie aber, so tritt ein wunderbarer Effekt ein. Nicht nur unserem Körper geht es dann besser, sondern auch unserer Seele. Blockaden, negative Denkmuster, Ängste – all das wird in den Faszien gespeichert – und wir können es loslassen.

Faszien und das Wechselspiel von Körper und Seele

Wie eng das Wechselspiel von Körper und Seele tatsächlich ist, dafür sind die Faszien ein faszinierendes Beispiel. Mittlerweile haben das auch Wissenschaft und Schulmedizin erkannt. Neue wissenschaftliche Studien bestätigen, was traditionelle Heiler auf der ganzen Welt schon vor Jahrhunderten wussten: Wir sind ein Ganzes und unsere Psyche kann nicht von unserem Körper getrennt betrachtet werden.

Unsere Hormone beeinflussen zum Beispiel jeden Tag, wie wir uns fühlen. Und unsere Gedanken können wiederum intensiv auf unseren Körper einwirken und ihn sogar heilen. Das eine formt das andere und umgekehrt. „Emotionen haben eine enorme Kraft und sie formen unseren Körper sehr viel mehr, als jede Vernunft es je zustande bringen würde“, schreibt der Heilpraktiker Peter Schwind in seinem Buch „Faszien: Gewebe des Lebens“. Ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben, das zeigt, wie sich unsere Gefühle etwa in der Körperhaltung spiegeln: Wir lassen die Schultern hängen, wenn wir schlechte Laune haben und beißen die Zähne aufeinander, wenn wir unter Druck stehen.

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Wenn die Seele zu viel tragen muss

Was in unserem Körper passiert, wenn er nun immer wieder mit zu viel Stress und negativen Gefühlen bombardiert wird, erklärt der amerikanische Körpertherapeut und Dozent Thomas W. Myers: „Wenn sich Stress im Körper ansammelt, hat er nur zwei Wege nach draußen. Der eine Weg führt über die Körperchemie.“ Durch den Stress werden dann sogenannte Neuropeptide ausgeschüttet und wirken auf unser Nervensystem. Das spüren wir an einer veränderten Stimmung, beispielsweise an Gereiztheit oder Nervosität. „Der andere Weg führt über Verspannungsmuster in unserem Körper“, so Myers.

Hat die Seele zu viel Stress abbekommen oder sogar ein Trauma erlebt, leitet sie den übermäßigen Druck also an unseren Körper weiter. Wir spüren dann eine Verspannung im Nacken oder es zwickt vielleicht an der Schulter. Das Fatale: Haben sich Sorgen und Belastungen erstmal im Körper festgesetzt, können wir sie nicht mehr so leicht loslassen. Sie graben sich immer tiefer in unseren Körper ein. „Schließlich werden unsere Gefühle sogar Teil des faszialen Gewebes“, erklärt Thomas Myers, Autor des renommierten Buches „Anatomy Trains: Myofasziale Leitbahnen“. Dort stecken sie dann erst einmal fest. Denn die Faszien sind zwar nicht unbedingt besonders dick, aber sie bestehen aus festem Kollagengewebe und können versteifen und verfilzen.

Faszie – wo bist Du?

Die Faszien sind überall in unserem Körper: Sie umhüllen unsere Muskeln, unsere Organe und unsere Knochen. Sie bestehen aus Kollagenfasern und Flüssigkeit und bilden ein dreidimensionales Netz, das alle Einzelteile in unserem Inneren zusammenhält. Sie umschließen auch unsere Venen, Arterien und Nerven. Manche Faszien sorgen dafür, dass unsere Organe sich im Körper gut bewegen können und trotzdem nicht herunterfallen. Wenn wir beispielsweise tief einatmen, verschieben sich sanft die Organe in unserem Bauchraum, etwa die Leber. Das ist deshalb möglich, weil sie an Faszien aufgehängt sind und von ihnen schützend umschlossen werden. So können unsere Organe durch den Körper gleiten und wir können uns in alle Richtungen bewegen. Trotzdem bleibt alles an seinem Platz und nichts purzelt durcheinander.

Loslassen, aufatmen, gesund werden

Gesunde Faszien sind sehr elastisch und enthalten viel Flüssigkeit und Nährstoffe. Sie machen uns flexibel und beweglich. Bei Kindern sind sie noch sehr weich und haben einen hohen Wasseranteil. Wenn wir älter werden oder viel Stress haben, verfilzen und vertrocknen die Faszien. Unser Körper wird steifer und ist dann anfälliger für Schmerzen. Dabei wäre es so wichtig, dass die Faszien locker und elastisch bleiben. Denn die beeinflussen sogar unser Immunsystem.

Ida Rolf, die Begründerin der Rolfing-Methode und Pionierin der Körpertherapie, war eine der ersten, die schon vor vielen Jahren die Bedeutung der Faszien intuitiv erkannte. Sie war damals schon der Meinung, dass ungelöste psychische Konflikte in unserem Bindegewebe feststecken – und dass wir sie über den Körper auch wieder lösen können. Doch erst heute können viele von Ida Rolfs Visionen wissenschaftlich bewiesen werden. Wie Recht sie hat, beweist zum Beispiel dieses viel beachtete Experiment: In einem Laborversuch wurden Stress-Hormone auf Faszien-Gewebe geträufelt. Und selbst unter diesen Bedingungen, also mit Gewebe, das längst nicht mehr lebendig war, zeigte sich ein faszinierend starker Effekt: Das Faszien-Gewebe zog sich zusammen, verklumpte und verhärtete.

Sport, um die Faszien zu lockern?

„Das fasziale System ist der Ort, wo man beginnen muss, denn es trägt einen tiefen Abdruck davon, wie wir uns unser ganzes Leben lang bewegt haben“, erklärt Thomas W. Myers. Und es trägt auch einen Abdruck davon, wie wir uns unser ganzes Leben lang gefühlt haben. Was können wir also tun, wenn wir unsere negativen Gefühle wieder aus Faszien lösen wollen?

Nicht jede Form von Bewegung hilft weiter, denn: „Die meisten Sportarten werden das Muster der Faszien nicht stark verändern, weil sie für die Muskeln entwickelt wurden oder für das Herz-Kreislaufsystem“, sagt Myers. Wenn du zum Beispiel gerne joggst, ist das zwar sehr gesund. Das Bindegewebe wird dadurch aber nicht stark gedehnt, wenn du sonst keine anderen Übungen machst. Denn die Faszien bestehen aus stabilen Fasern, die unsere Verspannungen festzurren und festhalten. Selbst wenn wir auf vielfältige Weise am Körper arbeiten, können wir ohne eine intensive Lockerung die alten Blockaden nicht lösen.

Yoga: Faszien lockern und pflegen

Doch es gibt eine uralte, einfache Methode, um unseren Körper wieder in den Fluss zu bringen und die Faszien glücklich zu machen: Yoga. Denn schon vor Jahrtausenden begannen indische Yogis damit, Körper, Geist und Seele mit Übungen in Einklang zu bringen. Inzwischen haben enorm viele wissenschaftliche Studien die Heilkraft des Yoga belegt. Einer der Gründe für die Wirkung: Unsere Faszien lieben es, wenn wir sie intensiv dehnen. „Das ist das Wunderbare am Yoga, dass Sie durch die tiefe, lange Dehnung tatsächlich das Bindegewebe verändern können“, erklärt Myers. „Sie verändern das Gewebe in den Faszien und damit kommen sie auch an die Gefühle ran.“ Denn dadurch werden Prozesse angestoßen, die uns in neue Denkmuster hinein bewegen und eine neue seelische Freiheit ermöglichen.

Dies hat tiefe Auswirkungen auf unser Leben und darauf, wie sinnerfüllt wir es empfinden und gestalten. „Wir müssen die Menschen wieder mit der Erde und mit sich selbst verbinden und die Fesseln der emotionalen Muster lösen, die aus unserer Vergangenheit kommen“, meint auch Thomas W. Myers. Er hat während seiner langjährigen Arbeit als Körpertherapeut selbst oft erlebt, wie Patienten sich von einer seelischen Last befreien können, wenn der Körper ihnen die richtigen Signale dafür sendet. Wenn verhärtete Faszien wieder biegsam und flexibel werden, dann kommt der Fluss der Lebenskraft wieder ins Fließen. Ganz so, als fordere der befreite Körper die Seele auf, aufzuwachen. Und aufs Neue voller Freude und Leichtigkeit ins Leben zu tanzen.

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