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Enneagramm: Dem Ich auf der Spur

Was kann ich über mich lernen?

Das Enneagramm kann helfen rauszufinden ob man eher Bauch-, Herz- oder Kopf-Mensch ist.
Das Enneagramm kann helfen rauszufinden ob man eher Bauch-, Herz- oder Kopf-Mensch ist.
© Ayesha Parikh via Unsplash

Wer bin ich eigentlich? Was ist mein ureigener Wesenskern? Woran kann ich mich halten und wonach richten, wenn ich mich auf den Weg mache, mein ganz eigenes Leben zu leben? Der Wunsch und das Streben des Menschen, sich selbst besser kennenzulernen, ist uralt. Schon in der Antike begrüßte das Orakel von Delphi die Menschen, die zu ihm kamen, um Rat und Hinweise zu ihrem zukünftigen Leben zu erhalten, mit folgender Inschrift über dem Eingangstor: „Erkenne dich selbst”. Und so lange, wie der Mensch schon auf der Suche nach sich selbst ist, versucht er auch, die Menschen und sich selbst in unterschiedliche Kategorien einzuteilen. Um ein wenig Orientierung zu schaffen, in der oft großen Ratlosigkeit. Um sich selbst und andere einordnen zu können, und so ein wenig klarer zu sehen. Ebenfalls bereits in der Antike entstand so die Einteilung in die vier Typen Choleriker, Sanguiniker, Melancholiker und Phlegmatiker. Ihnen wurden vier Grund-Eigenschaften, oder Temperamente, zugeschrieben.

Choleriker: willensstark, furchtlos und entschlossen.

Sanguiniker: heiter, lebhaft, leichtsinnig.

Melancholiker: schwermütig, traurig, misstrauisch.

Phlegmatiker: träge, friedliebend, zuverlässig.

Entsprechend dieser Einteilung wurden sogar ärztliche Diagnosen gestellt und zum Beispiel entsprechende Diäten verschrieben, die etwa das Blut des Phlegmatikers ein wenig mehr in Wallung bringen sollten. Oder umgekehrt auf den Choleriker beruhigende, ausgleichende Wirkungen entfalten sollten.

Ebenfalls bereits aus der Antike stammt die Typen-Einteilung, die wir nun hier ein wenig genauer vorstellen wollen: das Enneagramm. Die Quellen, woher diese Einteilung des Menschen in neun Charaktere ursprünglich kommt, gehen auseinander. Mal ist von einem alten Kloster die Rede, mal von der spirituellen Weisheit des Sufismus. Vermutlich hat sich das Wissen, das sich in dem komplexen Modell vereint, über Jahrtausende hinweg angesammelt – und Buddhisten, Juden, Christen und Sufis leisteten ihren Beitrag. Heute kann es allen Menschen, unabhängig von ihrer Glaubensrichtung, Hinweise geben, wenn sie sich auf die Suche machen, sich selbst zu entdecken.

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Ein Stups in eine neue Richtung

Ganz grundsätzlich unterscheidet das Enneagramm zwischen drei Typen, die sich hauptsächlich nach folgenden drei unterschiedlichen Polen ausrichten: Kopf (Verstand, Ratio), Herz (Emotionen) und Bauch (Instinkt). Diese drei Haupt-Charaktere werden wiederum in jeweils drei Unter-Typen unterteilt.

Wir können hier in dieses tatsächlich sehr komplexe Persönlichkeits-Modell nur einen kleinen Einblick geben. Aber vielleicht ist es eine Anregung. Ein Stups in eine neue, spannende Richtung auf deinem Lebensweg…

DAS ENNEAGRAMM

Spirituelles Modell zur Selbsterkenntnis

Ganz außen im Kreis des Enneagramms stehen die drei Grund-Typen: Kopf, Bauch, Herz. Im Inneren des Kreises finden sich die Nummern, die den jeweiligen Charakteren zugeordnet sind – und, ganz wichtig, die Pfeile.

Sie zeigen, in Richtung welches Charakters das jeweils größte Entwicklungs- Potential besteht. Ein Beispiel: „8. Der Mächtige” kann wachsen und seine Persönlichkeit weiterentwickeln, indem er sich in Richtung des „Helfers” entwickelt.

Wir haben einen vereinfachten Test für dich entwickelt, wie du herausfinden kannst, welche Zahl auf dich zutrifft. Lies dir einfach die Zitate durch und wähle das aus, welches am ehesten auf dich zutrifft. Weiter unten erfährst du, was die Zahl konkret bedeutet und wie du dich weiterentwickeln kannst.

  1. Der Idealist: „Ich bin ein guter, korrekter Mensch und handle stets vernünftig.”
  2. Der Helfer: „Ich bin ein liebevoller, hilfsbereiter Mensch, der anderen gerne gibt.”
  3. der Macher „Ich bin dynamisch, erfolgreich und werde von anderen bewundert.”
  4. Der Individualist:„Ich bin ein besonderer Mensch, meine Einzigartigkeit zeichnet mich aus.”
  5. Der Denker: „Ich bin ein kluger Mensch und besitze einen scharfen Intellekt.”
  6. Der Loyale„Ich bin zuverlässig und liebenswert, aber auch vorsichtig und realistisch.”
  7. Der Vielseitige „Ich bin ein positiver, optimistisch eingestellter Mensch und genieße das Leben.”
  8. Der Mächtige: „Ich bin ein gerechter, aufrichtiger Mensch, ich handle stark und autonom.”
  9. Der Friedliebende: „Ich bin ein friedvoller Mensch, harmonische Beziehungen sind mir wichtig“

Die 9 Persönlichkeitstypen des Enneagramms: Typ-Beschreibung und Tipps zur Weiterentwicklung

Der Bauch-Typ

DER IDEALIST (TYP 1)

EINSEN streben nach Perfektion und haben stets den Drang, alles richtig zu machen. Deshalb sind sie oft kritisch – nicht nur sich selbst, sondern auch anderen gegenüber.

Tipps zur Weiterentwicklung: Gelassener werden! Niemand muss alles perfekt machen. Viel wichtiger ist, zu lernen, das Leben zu genießen und Zugang zu den eigenen Gefühlen zu finden. Zu hohe Erwartungen an andere und sich selbst verstellen nur den Blick auf deren und unsere eigenen Vorzüge.

DER MÄCHTIGE (TYP 8)

ACHTEN sind starke, unabhängige Persönlichkeiten, treten selbstsicher auf und haben gern das Sagen. Hinter ihrem Bedürfnis, andere zu kontrollieren, steckt aber auch ein ausgeprägter Beschützer-Instinkt.

Tipps zur Weiterentwicklung: Was für ein wundervolles, großes Potenzial: andere Menschen fördern und ihnen Chancen eröffnen. Dabei gilt es nur, nicht aus den Augen zu verlieren, auch einmal auf andere zu hören, von ihnen zu lernen. Logisch: Wer stets um sich selbst kreist, kann nicht über sich hinauswachsen.

DER FRIEDLIEBENDE (TYP 9)

Harmonie geht NEUNEN über alles. Sie haben ein ausgepräg- tes Interesse an ihren Mitmenschen und erweisen sich immer wieder als gute Vermittler.

Tipps zur Weiterentwicklung: Auch wenn es manchmal unangenehm ist: Zu jeder harmonischen Beziehung gehören auch Konflikte. Diesen immer aus dem Weg zu gehen, ist nicht sinnvoll. Auch wichtig: Gefühle ernst nehmen und lernen, den Körper zu spüren – zum Beispiel mit Hilfe von Yoga, Tai Chi oder Qigong.

Der Herz-Typ

DER HELFER (TYP 2)

ZWEIEN sind liebevoll und können sich gut in andere ein- fühlen. Hilfsbereitschaft geht ihnen über alles. Bei sich selbst möchten sie Hilflosigkeit um jeden Preis vermeiden.

Tipps zur Weiterentwicklung: Hilfsbereitschaft ist toll – trotz- dem ist es interessant, sich selbst einmal zu fragen, warum man eigentlich so hilfsbereit ist. Vielleicht nur, um von anderen geschätzt und geliebt zu werden? Das wäre schade! Denn jeder ist liebenswert, ungeachtet seiner Leistungen.

DER MACHER (TYP 3)

DREIEN wollen im Leben etwas erreichen, sind tüchtig und haben viel Energie. Nicht nur sich, sondern auch andere beurteilen sie stets nach ihren Erfolgen. Ihr Konkurrenzdenken ist ausgeprägt, Versagen kommt nicht in Frage.

Tipps zur Weiterentwicklung: Konkurrenzdenken
kann eine Falle sein. Dann, wenn man sich ständig mit anderen vergleicht. Nur noch das tut, von dem man denkt, dass es bei anderen gut ankommt. Wer sein eigenes Leben lebt, der wagt, seinen eigenen Wünschen, Ideen und Träumen zu folgen. Und fühlt sich gut, gerade dann, wenn andere mal den Kopf schütteln.

DER INDIVIDUALIST (TYP 4)

VIEREN haben Sinn für das Schöne, Romantische und Künstlerische. Durchschnittlichkeit wollen sie vermeiden. Ihre emotionale Tiefe lässt sie gern in Gefühlen schwelgen und drängt sie zur Selbsterkenntnis.

Tipps zur Weiterentwicklung: Gefühle sind wichtig, aber am schönsten ist es, sie im Hier und Jetzt auch tatsächlich zu leben. Der beste Weg, aus schönen Gedanken auch Taten zu machen: Etwas für andere Menschen zu tun!

Der Kopf-Typ

DER DENKER (TYP 5)

FÜNFEN sind klug, mit ihrem analytischen Geist erweisen sie sich als Meister im Probleme lösen. Gleichzeitig wollen sie die Welt verstehen und sammeln möglichst viel Wissen an.

Tipps zur Weiterentwicklung: Mehr beobachten, weniger analysieren! Denn Rationalität ist nur eine von vielen Möglichkeiten, Erkenntnisse zu gewinnen. Schöner ist es oft, einfach mal stillzusitzen und zu staunen. Dann merken wir, dass nicht alles, was das Herz erkennt, mit dem Verstand begreifbar ist.

DER LOYALE (TYP 6)

SECHSEN sind engagiert, zuverlässig und pflichtbewusst – und kommen gut mit anderen zurecht. Teamarbeit ist eine ihrer Stärken. Sie erkennen die Absichten anderer und unterstützen diese gern in vorauseilendem Gehorsam.

Tipps zur Weiterentwicklung: Beruflich oder privat: Ein Lob ist etwas Wunderbares. Am schönsten aber ist es, wenn wir uns selbst anerkennend auf die Schulter klopfen dürfen, weil wir etwas nach unseren eigenen Maßstäben sehr gut gemacht haben. Das geht nur, wenn wir Verantwortung übernehmen, statt ihr auszuweichen!

DER VIELSEITIGE (TYP 7)

SIEBENEN lieben das Leben und seine Genüsse, haben im- mer eine Menge Ideen und Pläne. Sie wollen möglichst viele Erfahrungen machen, die ihre Sinne kitzeln.

Tipps zur Weiterentwicklung: Vorsicht: Die Flut an Sinnesreizen kann süchtig machen. Wie wäre es, mal zu probieren, mit weniger auszukommen und auch mal allein zu sein? So entdecken wir die Freude am Wesentlichen, das in uns liegt.